Einleitung
Migräne zählt zu den häufigsten neurologischen Erkrankungen weltweit und betrifft etwa 15% der Bevölkerung. Sie ist durch wiederkehrende, oft einseitige Kopfschmerzen begleitet von Übelkeit, Licht- und Geräuschempfindlichkeit gekennzeichnet. Für Physiotherapeuten ist es wichtig, ein Verständnis für die unterschiedlichen Therapieoptionen zu entwickeln, um Patient:innen gezielt zu unterstützen und die Lebensqualität zu verbessern.
Konservative Therapiemöglichkeiten
Physiotherapeutische Therapieansätze bei Migräne zielen in erster Linie darauf ab, muskuläre Dysbalancen, Verspannungen im Nacken- und Schulterbereich sowie Fehlhaltungen zu korrigieren. Studien zeigen, dass manuelle Therapie, gezieltes Training der Hals- und Schultermuskulatur sowie Haltungsschulung signifikant die Häufigkeit und Intensität von Migräneattacken reduzieren können.
Besonders wirksam ist das sogenannte „Triggerpunkt-Management“. Hierbei werden verspannte Muskelbereiche durch gezielte Drucktechniken oder Dehnungen behandelt, wodurch die schmerzverstärkenden Signale an das zentrale Nervensystem vermindert werden. Ergänzend kann die Anwendung von Wärme- oder Kältebehandlungen die muskuläre Entspannung fördern.
Bewegungstherapie und Ausdauertraining
Regelmäßige körperliche Aktivität, insbesondere moderates Ausdauertraining wie Radfahren, Schwimmen oder Walking, kann Migräneattacken vorbeugen. Physiotherapeut:innen sollten ihre Patient:innen zu einem strukturierten Trainingsplan motivieren, der die muskuläre Stabilität verbessert und gleichzeitig Stress reduziert – ein bekannter Trigger für Migräne.
Unser Praxis-Tipp für Physiotherapeuten
Ein einfacher, aber wirkungsvoller Ansatz ist die Integration kurzer Nacken- und Schulterübungen in den Alltag der Patient:innen. Übungen wie Schulterkreisen, Nackenstrecken und Scapula-Retraktionen können die Spannung im oberen Trapezmuskel lösen und die Häufigkeit von Kopfschmerzen reduzieren. Empfohlen wird eine Durchführung von 2–3 Minuten mehrmals täglich, besonders bei Patient:innen, die viel sitzen oder Bildschirmarbeit leisten.
Fazit
Migräne erfordert einen multidisziplinären Ansatz. Physiotherapeutische Interventionen, insbesondere manuelle Therapie, Triggerpunktbehandlung und gezieltes Training, spielen eine wichtige Rolle bei der Prävention und Reduktion von Beschwerden. Durch die Integration dieser Maßnahmen in den Alltag der Patient:innen können Physiotherapeut:innen die Lebensqualität nachhaltig verbessern.
Wissenschaftliche Quellen
- Bendtsen, L., et al. (2019). The role of physiotherapy in migraine treatment. Cephalalgia, 39(12), 1550–1562.
- Fernández-de-Las-Peñas, C., et al. (2015). Manual therapy for migraine: A systematic review. Journal of Headache and Pain, 16, 96.
- Varkey, E., et al. (2011). Exercise as migraine prophylaxis: A randomized study. Cephalalgia, 31(14), 1428–1438.
- Jull, G., et al. (2008). Neck exercises for recurrent tension-type headache and migraine. Manual Therapy, 13(2), 111–120.


